Smarte Zusatzfunktionen von Hörgeräten
Es gab Zeiten, in denen Hörgeräte über hauptsächlich eine Funktion verfügten – nämlich Töne lauter und somit für den Träger besser hörbar zu machen. In den letzten Jahren hat sich im Bereich der Hörtechnologie viel getan: Mittlerweile sind Hörsysteme wahre Hightech-Geräte, die nicht nur individuell an verschiedenste Hörschwächen angepasst werden können (und dadurch ein komplett anderes Hörerlebnis bieten), sondern auch praktische digitale Zusatzfunktionen für den Alltag bieten.
In diesem Beitrag erfahren Sie
- mit welchen Technologien moderne Hörgeräte sowohl Sprachverstehen als auch Klangqualität maximieren,
- wie Hörsysteme mit digitalen Zusatzfunktionen (Bluetooth, Streaming, Steuerung über Apps) den Alltag erleichtern und
- wie robust Hörgeräte mittlerweile sind.
Moderne Hörgeräte: Hightech im Ohr
Auch, wenn es von außen nicht ersichtlich ist – Hörgeräte von heute beherbergen in ihrem Inneren kleine Computer, die mittels ausgeklügelter Technik dafür sorgen, perfektes Sprachverstehen und Top-Klangqualität zu liefern, sprich die Hörwahrnehmung möglichst natürlich zu gestalten.
Zu den wichtigsten Technologien zählen:
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360-Grad-Raumhören
Normalhörende erkennen problemlos, aus welcher Richtung ein Geräusch kommt – zum Beispiel, wenn man angesprochen wird oder sich ein Fahrzeug nähert. Das sogenannte 360-Grad-Raumhören geschieht einerseits durch die Form der Ohrmuschel, die Töne in den Gehörgang leitet, andererseits durch die weitergehende Verarbeitung dieser im Gehirn. Bei Trägern von Im-Ohr-Hörgeräten bleibt das Richtungshören ganz normal erhalten, da sich auch das Hörgerät im Gehörgang befindet. Träger von HdO-Hörsystemen (d.h. das Hörgerät sitzt hinter dem Ohr – mehr Info dazu in diesem Beitrag) haben jedoch oft Probleme, die Richtung von Geräuschen zu lokalisieren. Deshalb verfügen moderne HdO-Hörsysteme über eine künstliche 360-Grad-Signalverarbeitung, die den Richtungseffekt nachahmt.
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Frequenzkanäle
Kanäle bzw. Frequenzkanäle sind bei modernen Hörsystemen ein großes Thema. Das Portfolio reicht mittlerweile von Hörgeräten mit 4, 8, 12 bis hin zu 64 Kanälen. Über diese Kanäle werden Frequenzen – sprich, hohe, mittlere und tiefe Töne – aufgeteilt, sodass sie separat verstärkt werden können. Simpel erklärt: Ein Hörgerät mit einem einzigen Kanal würde alle Töne gleichermaßen verstärken und somit lauter machen – vergleichbar mit dem Lautstärkenregler bei einem Radio. Hörverluste sind jedoch individuell und betreffen unterschiedliche Frequenzen – d. h. nicht alle Frequenzen müssen gleichermaßen verstärkt werden.
Daraus könnte man schließen: Je mehr Kanäle ein Hörgerät bietet, desto besser! Was jedoch nur teilweise zutrifft. Denn meist werden bei Messungen nur 8 Kanäle getestet, die den Hörverlust definieren und an welche die Verstärkung des Hörgerätes schlussendlich angepasst wird. Hörgeräte mit mehr Kanälen bieten hingegen die Möglichkeit, auch die Zwischenfrequenzen präzise an Ihre persönlichen Bedürfnisse und Hörsituationen einzustellen und so das Klangerlebnis noch angenehmer zu gestalten – dafür sind jedoch weitere Mess- bzw. Anpassungsschritte vonnöten.
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Impulsgeräuschunterdrückung
Mal ganz ehrlich: Es gibt lästige Geräusche, auf die man gerne verzichtet – zum Beispiel Türknallen oder hupende Autos. Um solche Störgeräusche abzuschwächen, verfügen moderne Hörsysteme über eine praktische Funktion: Die Impulsgeräuschunterdrückung erkennt laute, plötzlich auftretende Töne und mildert diese ab, noch bevor sie ans Trommelfell gelangen – wodurch sie leiser und angenehmer wahrgenommen werden.
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Hörprogramme
Die Hörsituationen, mit denen wir im Alltag konfrontiert sind, sind komplett unterschiedlich – vom Musikhören übers Familientreffen bis hin zum Kaffeeklatsch zu zweit. Moderne Hörgeräte verfügen über verschiedene Hörprogramme, zwischen denen Sie je nach Bedarf eigenständig (zum Beispiel über eine Taste am Hörgerät oder über eine App am Smartphone) wechseln können.
Hörgeräte der Premium-Klasse gehen sogar noch einen Schritt weiter: Zusätzlich zu den manuell einstellbaren Hörprogrammen analysieren sie die Geräuschkulisse laufend und stellen sich automatisch auf die Hörumgebung ein. So erkennt das Hörgerät nicht nur von selbst, ob Sie gerade in einem Einzelgespräch sind oder in einer Gruppe, sondern auch, wie laut die Umgebungsgeräusche sind.
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Spracherkennung und Störlärmunterdrückung
Sprache gut zu verstehen, ist wesentlich für zwischenmenschliche Kommunikation – und somit ein wichtiger sozialer Faktor, um sich in Gesellschaft wohlzufühlen. Gerade in lauten Umgebungen fällt es jedoch oft schwer, einem Gespräch zu folgen. Hier kommen die Spracherkennung und die Störlärmunterdrückung ins Spiel: Moderne Hörgeräte erkennen anhand der Modulation von Tönen und Geräuschen automatisch, ob es sich bei einem Geräusch um Sprache handelt oder nicht. Um Gesprochenes einfacher wahrnehmen zu können, wird dieses vom Hörgerät verstärkt – gleichzeitig werden Lärm und Störgeräusche reduziert.
Vielleicht werden Sie sich jetzt fragen: Alles schön und gut, aber was, wenn gerade mehrere Leute reden und ich nur einer Person zuhören möchte – woher weiß mein Hörgerät dann, welches Sprachsignal gerade wichtig ist und wen ich lieber ausblenden möchte? Mehr dazu im nächsten Punkt.
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Richtmikrofontechnik
Gespräche in einer Gruppe von Menschen bzw. in belebten Umgebungen sind oft eine Herausforderung – während alle reden, möchte man meist nur einer Person zugleich zuhören. Moderne Hörsysteme bieten auch für dieses Problem eine Lösung: Durch den Einbau zweier oder manchmal sogar mehrerer Mikrofone ortet das Gerät die Richtung, aus der Sprache bzw. Geräusche kommen und reagiert entsprechend darauf. Mittels dieser sogenannten Richtmikrofontechnik wird einerseits das räumliche 360-Grad-Hören verbessert, andererseits hilft sie dabei, in einer Umgebung mit vielen Menschen einzelnen Gesprächen besser zu folgen.
Wie die Richtmikrofontechnik genau funktioniert? Je nach System bzw. Trageweise (Im-Ohr- oder Hinter-dem-Ohr-Hörgerät) weiß das Hörgerät genau, in welche Richtung sein Träger blickt. Werden nun mehrere Sprachsignale aufgenommen, richtet das Gerät die eingebauten Richtmikrofone automatisch nach vorne aus – da es darauf programmiert ist, dass das Gegenüber am besten wahrgenommen werden möchte. Sprachsignale von der Seite hingegen werden reduziert. Die Adaption der Richtmikrofone erfolgt vollautomatisch und rein elektronisch über den Hörgerät-Computer, sprich es wird nichts mechanisch bewegt. Ein Vorgang, der für Sie als Träger vollkommen unmerklich abläuft, während Sie sich voll und ganz auf Ihren gegenüberliegenden Gesprächspartner konzentrieren können.

Smarte Zusatzfunktionen von Hörgeräten
Die Digitalisierung ist zweifellos auch in der Welt der Hörgeräte angekommen. So verfügen zahlreiche Hörgeräte mittlerweile über eine Bluetooth-Funktion, die sich im Alltag vielfältig nutzen lässt. Töne von bluetooth-fähigen Smartphones, Fernsehern, Radios und Co. können dadurch direkt an Ihr Hörsystem übertragen werden, was für ein noch besseres Hörerlebnis sorgt. Auch Telefonieren wird mittels Bluetooth wesentlich erleichtert: Nicht nur, dass Sie das Gesprochene deutlich besser verstehen – bei bestimmten Systemen können Anrufe sogar direkt per Knopfdruck am Hörgerät angenommen werden.
Praktisch bei Bluetooth-Hörgeräten lassen ist auch die Steuerung mittels eigener App. So können Sie zum Beispiel das Hörprogramm oder die Lautstärke ganz einfach an die gegebene Hörsituation anpassen. Ihr Hörakustiker stellt die App anfangs nach Ihren Bedürfnissen ein, kann aber auf Wunsch auch aus der Ferne Änderungen vornehmen und an die Applikation senden – ohne dass Sie persönlich vor Ort sein müssen. Sprich, ein Anruf genügt, Sie bekommen die neuen Einstellungen an die App geschickt, aktivieren Sie und testen zu Hause bzw. unterwegs, ob Sie damit zufrieden sind.
Hightech-Hörgeräte: Robust wie nie
Moderne Hörgeräte sind zwar oft winzig klein, stecken jedoch voller ausgeklügelter Technologien – keine Frage, dass diese auch dementsprechend geschützt werden wollen. Nicht umsonst sind bestimmte Premium-Hörgeräte bereits vollständig wasser- und staubdicht. So halten sie äußeren Einflüssen wie Luftfeuchtigkeit, Regen oder Schweiß locker stand und sind weniger anfällig für Reparaturen.
Trotzdem empfehlen Hörakustiker für längere Haltbarkeit: Beim Duschen, Schwimmen oder in der Sauna sollten Sie Ihr Hörgerät besser abnehmen – sicher ist sicher.
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