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© iStock/Kemal Yldirim

Leben mit Hörgerät – die wichtigsten Fakten und Tipps

Ein Hörgerät bringt einige Veränderungen mit sich. Wie Sie sich schnell an die neue Hörwahrnehmung und an den Alltag mit Hörgerät gewöhnen und was Sie rund um Handhabung, Wartung und Pflege wissen sollten.

Viele Menschen zögern trotz Hörschwäche, sich für ein Hörgerät zu entscheiden. Dieser Scheu liegen oft viele Bedenken zugrunde – von der Angst, dass Hörgeräte viel Pflege- und Wartungsaufwand bedeuten, laufend ausgetauscht werden müssen oder einen in vielen Situationen einschränken bis hin zum Zweifel daran, damit überhaupt wieder so gut hören zu können wie früher.

Obwohl diese Sorgen verständlich und nachvollziehbar sind, sind sie zum Glück unbegründet. Moderne Hörsysteme bedeuten für den Träger nämlich vor allem eines: mehr Lebensqualität und Komfort im Alltag. 

 

In diesem Beitrag erfahren Sie

  • ob ein Hörgerät die normale Hörfähigkeit zurückbringt und wie die Eingewöhnung abläuft ,
  • wie der Alltag mit einer Hörhilfe aussieht,
  • wie lange Hörgeräte halten bzw. ob sie repariert werden können,
  • ob Veränderungen des Gehörs gleich ein neues Hörgerät erfordern und
  • was passiert, wenn Sie ein Hörgerät verlieren.

Höre ich mit einem Hörgerät wieder so gut wie früher?

Rein technisch gesehen hören Sie mit einem Hörgerät gleich gut wie früher. Hörsysteme, die über Richtmikrofontechnik verfügen (mehr dazu in diesem Beitrag) ermöglichen in bestimmten Situationen sogar noch fokussierteres Zuhören und dadurch sogar eine noch bessere Hörwahrnehmung als gewohnt.

Natürlich erfordert ein Hörgerät etwas Eingewöhnungszeit. Gerade in der Anfangsphase ist das neue Hörerlebnis oft noch sehr ungewohnt. Der Grund dafür liegt im Hörzentrum und in der Art, wie unser Gehör mit Tönen umgeht: Da das Gehör selbst im Schlaf aktiv ist (sonst würde kein Wecker funktionieren), ist es 24 Stunden täglich einer Reizflut an Geräuschen ausgesetzt.

Damit wir dies nicht als unangenehm empfinden bzw. dadurch gestresst werden, blendet das Gehirn Geräusche, die gerade nicht als relevant erachtet werden, aus der bewussten Wahrnehmung aus – so können wir uns auf die für uns wichtigen Töne (Sprache) konzentrieren. Ein gutes Beispiel für diesen Mechanismus: Wer an einer stark befahrenen Straße wohnt, registriert die störende Geräuschkulisse – sprich, den Verkehrslärm – irgendwann gar nicht mehr.

Leben mit Hörgerät – die wichtigsten Fakten und Tipps© Pexels/cottonbro
Nach der Eingewöhnungszeit mit Hörgerät können Sie das neue Hörerlebnis – zum Beispiel bei Familienfeiern oder Gesprächen – voll und ganz genießen.

Wenn Sie nun durch einen Hörverlust bestimmte Frequenzen über längere Zeit nicht mehr wahrnehmen, entwöhnt sich Ihr Hörzentrum gewissermaßen von diesen Tönen. Ein Hörgerät macht sie plötzlich wieder hörbar, wodurch sie Sie anfangs oft als störend oder unangenehm empfinden – sie erscheinen wesentlich lauter als normal, obwohl sie erstmals wieder in Normallautstärke wahrgenommen werden. Es dauert dann etwas, bis das Gehirn sich an die neuen Töne gewöhnt, diese quasi als „unwichtig“ einstuft und sie aus der bewussten Wahrnehmung verschwinden.

Bei einer typischen Altersschwerhörigkeit betrifft dies meist Töne in höheren Frequenzbereichen, die über die Jahre hinweg langsam immer leiser geworden sind und dann plötzlich mit Hörgerät wieder klar gehört werden (etwa das Rauschen von Wasser, raschelndes Papier, Geschirrklappern sowie hochtonlastige Geräusche).

Um diese Belastungen im Alltag möglichst gering zu halten und ein optimales Sprachverstehen zu garantieren, filtern moderne Hörsysteme über die Lärmerkennung alle unbedeutenden Geräusche heraus bzw. schwächen sie ab. Trotz Top-Technologie kann das Hörsystem natürlich nicht immer exakt feststellen, welche Geräusche in einem Moment gerade von Bedeutung sind und welche nicht – weshalb man selbst mit dem besten Hörgerät in der Anfangsphase das Gefühl haben wird, das Leben etwas anders zu hören.

Aber keine Sorge: Nach der Eingewöhnungszeit – die von Träger zu Träger unterschiedlich lange dauert – haben Sie sich an das neue Hörerlebnis mit Ihrem Hörgerät gewöhnt, so dass es Ihnen völlig normal erscheint. Ihr Hörakustiker steht Ihnen in dieser Phase jederzeit mit Rat und Tat zur Seite und gibt Tipps, wie Sie die Anfangsphase mit Hörgerät angenehmer und so kurz wie möglich gestalten.

Leben mit Hörgerät – die wichtigsten Fakten und Tipps© Pexels/SHVETS production
Endlich wieder gut hören – zum Beispiel das Zwitschern der Vögel am Morgen. Durch das neue Hörerlebnis sorgt ein Hörgerät auch für mehr Lebensfreude im Allgemeinen.

Wie sieht mein Alltag mit Hörgerät aus?

Selbst, wer anfangs noch Bedenken hat, stellt meist schnell fest: Ein Hörgerät schränkt einen im Alltag nicht bzw. kaum ein. Im Gegenteil, denn die Lebensqualität, die das neue Hörerlebnis mit sich bringt, macht jeden Aufwand – von Eingewöhnungsphase bis hin zur Pflege eines Hörgerätes – mehr als wett.

  • Die meisten Hörsysteme sind mittlerweile so winzig, dass sie beim Tragen weder sicht- noch spürbar sind. Durch ihre geringe Größe und die individuelle Anpassung sitzen moderne Hörgeräte auch so gut, dass sie bei Sport- und Freizeitaktivitäten weder stören noch schnell verrutschen.

  • Statt mit Batterien werden viele Hörlösungen mittlerweile mit Akkus betrieben, die einfach über Nacht geladen werden. Batteriebetriebene Hörgeräte wiederum überzeugen durch mehrtätige Laufzeit, und ein Batteriewechsel ist in wenigen Sekunden erledigt.

  • Auch externe Faktoren wie Staub oder Spritzwasser, Regen oder starkes Schwitzen beim Sport können Hörsystemen von heute nichts mehr anhaben. Einzig beim Duschen, Schwimmen oder Saunagehen sollten Sie auf Ihre kleinen Helfer im Ohr verzichten – immerhin ist in ihrem Inneren ein kleiner Computer versteckt, dessen Technologie auf extreme Nässe empfindlich reagiert.

  • Um Ihr Hörgerät selbst reinigen zu können, gibt es mittlerweile praktische Systeme mit Ultraschall oder UV-Licht. Welche Art der Reinigung sich für Ihr Hörsystem am besten eignet, wie man es richtig handhabt und was Sie rund um Pflege und Säuberung Ihres Hörgerätes noch beachten sollten, erklärt Ihnen Ihr Hörakustiker – der auch jederzeit gerne für eine Grundreinigung Ihres Hörsystems zur Verfügung steht.

Haltbarkeit, Reparatur und Verlust von Hörgeräten

Reparatur

Moderne Hörgeräte werden im Allgemeinen für eine durchschnittliche Gebrauchsdauer von mehr als 5 Jahren entwickelt. Bei guter Pflege und regelmäßiger Wartung halten die Geräte jedoch wesentlich länger. Sollte doch einmal etwas kaputtgehen, können nahezu alle Teile des Hörsystems – ähnlich wie bei einem Auto – erneuert oder ausgetauscht werden.

In punkto Kostenübernahme gilt: Wurde beim Kauf des Gerätes die Leistung der Krankenkasse in Anspruch genommen, übernimmt diese grundsätzlich auch bei Reparaturen einen Beitrag.

Verlust und Ersatz

Natürlich kann es auch einmal vorkommen, dass man ein Hörgerät verliert. Die Krankenkasse bewilligt ein neues Gerät jedoch erst nach 5 Jahren ab Kaufdatum – demnach müsste ein Ersatzgerät in der Zwischenzeit aus eigener Tasche finanziert werden.

Allerdings bieten sowohl viele Hörakustiker als auch Versicherungen preislich attraktive Schutzpakete an, durch die Sie im Falle eines Verlustes abgesichert sind und schnell ein neues Gerät bekommen.

Mein Gehör hat sich verändert – brauche ich ein neues Hörgerät?

Unser Gehör verändert sich im Laufe des Lebens immer wieder. Moderne Hörgeräte sind darauf programmiert, diese Veränderungen problemlos mitzumachen. Ihr Herzstück – ein kleiner Hightech-Computer – kann jederzeit neu programmiert und so an neue Hörbedürfnisse angepasst werden. Aber nicht nur das: Auch veränderte Tragegewohnheiten oder neue Umgebungssituationen (beispielsweise durch einen Umzug aus einem ruhigen Wohngebiet in die belebte Stadt) können kontinuierlich in der Programmierung berücksichtigt werden, um Ihnen stets ein optimales Hörerlebnis zu garantieren.

 

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